KI ist für alle da. Und: Für alles gibt es die passende KI. Nur – nicht jede*r nutzt sie.

In diesem Live-Mitschnitt von der herCAREER Expo sprechen drei KI-Expertinnen aus Wirtschaft, Forschung und Politik über die Bedeutung von KI-Tools in der Arbeitswelt – und vor allem für Frauen!

Dr. Christiane Nischler-Leibl, Leiterin der Abteilung VI – Frauenpolitik, Gleichstellung und Prävention im Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales (StMAS), die Professorin und Unternehmensgründerin Prof. Dr. Yasmin Weiß und die Doktorandin und Expertin für feministische KI Eva Gengler sind sich einig:
Mehr Frauen müssen KI aktiv nutzen, sich mit ihr wohlfühlen und sie im besten Fall mitgestalten. Nur so ist eine verantwortungsvolle und geschlechtergerechte Nutzung von KI in Zukunft möglich.

Hinweise:

  • Frau Staatsministerin Scharf musste leider Ihre Teilnahme wegen einer kurzfristigen dringenden Terminverpflichtung absagen.
  • Aufgrund einer technischen Panne haben wir den Live-Impuls von Eva Gengler nachträglich neu aufgezeichnet. Viel Spaß beim Nachhören!

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Thema

Wirtschaft, Arbeit & New Work | Wissenschaft, Technik, Digitalisierung & Technologie

Die Kernaussagen der Panelteilnehmerinnen:

Prof. Dr. Jasmin Weiß
Die Professorin und Autorin ist überzeugt: Durch die versierte Nutzung von KI hat sie sich täglich eine weitere Stunde mit ihren Kindern geschaffen. Sie betont außerdem: KI-Skills erhöhen die Job- und Karrierechancen.

Eva Gengler
Die Doktorandin forscht zu den Auswirkungen von KI auf Frauen und gibt Workshops zum Einsatz von KI in Unternehmen. Sie fordert mehr Frauen in der Entwicklung und Anwendung von KI, um diese Systeme inklusiver und gerechter zu gestalten. Ihre Forschung zeigt, dass KI ein großes Potenzial hat, die Welt für Frauen gerechter zu machen, wenn sie bewusst und kritisch eingesetzt wird.

Dr. Christiane Nischler-Leibl 
Die Leiterin des Referats für Frauenpolitik, Gleichstellung und Prävention im Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales (StMAS) setzt sich unter anderem für eine bessere, genderspezifische Datenerhebung und gerechtere Prozesse bei der Entwicklung von KI ein. Sie betont, wie wichtig es ist, den Ursprung und den Kontext von KI-Systemen zu verstehen, um sicherzustellen, dass diese in Zukunft inklusiv und gerecht sind.

Die Live-Diskussion wurde von der Moderatorin und Sprecherin Berenike Beschle vom BR moderiert.

Weiterführende Links:
There is an AI for that ist eine KI-Suchmaschine für deine Bedürfnisse. 
Feminist AI – Beratung für gerechte KI 

Der Beitrag wurde im Rahmen der herCAREER Expo 2024 aufgezeichnet und als Podcast aufbereitet.

[00:00:00] Yasmin Weiß: Es gibt einen einzigen Bereich, wo wir Menschen auch langfristig leistungsfähiger sein werden als künstliche Intelligenz. Und das ist schlicht und einfach Liebe, Warmherzigkeit, Empathie. Wenn wir das kombinieren – wir sind offen neugierig und wissbegierig – und paaren dies mit Technologiekompetenz, dann stellen wir uns auch für die Zukunft wirklich gut auf. Setzt aber voraus, dass wir heute unsere Hausaufgaben machen.

[00:00:41] Kristina Appel: Willkommen beim HerCareer Podcast. Du interessierst dich für aktuelle Diskurse aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, und das insbesondere aus einer weiblichen Perspektive? Vielleicht wünschst du dir persönliche Einblicke in den Arbeitsalltag von Menschen und Unternehmen, die sich dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel stellen? Dann bist du hier genau richtig. Für alles gibt’s die passende KI. Und KI ist für alle da. Nur: Nicht alle nutzen sie. In diesem Live-Mitschnitt von der HerCareer Expo sprechen drei KI -Expertinnen aus Wirtschaft, Forschung und Politik über die Bedeutung von KI in der Arbeitswelt. Und das insbesondere für Frauen. Dr. Christiane Nischler-Leibl vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales, die Professorin und Gründerin Yasmin Weiß und die Doktorandin und Expertin für feministische KI Eva Gengler sind sich einig: Mehr Frauen müssen KI aktiv nutzen, sich damit wohlfühlen. Und im besten Fall an der Gestaltung von KI mitwirken. Nur so ist ein verantwortungsvoller und geschlechtergerechter Einsatz von KI in Zukunft möglich. Die Expertinnen teilen ihre persönlichen Lieblingstools, erzählen wofür sie diese einsetzen und machen sehr deutlich: Ohne KI -Fähigkeiten werden weder Angestellte, noch Gründerinnen oder Soloselbständige wettbewerbsfähig bleiben. Eine Notiz an euch: Wegen einer technischen Störung haben wir Eva Genglers Live-Impuls nachträglich neu aufgezeichnet. Viel Spaß beim Hören.

[00:02:22] Eva Gengler: Ja, hallo zusammen. Ich freue mich sehr, dass ich heute über meine Forschung und über meine Arbeit, über mein Herzensthema sprechen darf, über feministische KI. Vielleicht zum Einstieg mal kurz, wer bin ich eigentlich? Warum kann ich dazu was erzählen? Was tue ich so? Ich bin Doktorandin an der Friedrich-Alexander -Universität Erlangen-Nürnberg. Und ich promoviere dort in einen internationalen Doktorand:innen-Kolleg zu Business and Human Rights. Das ist etwas ganz Besonderes, weil wir viele internationale und interdisziplinäre Studierende sind bzw. Wissenschaftler:innen und das einen ganz besonderen Flair ausmacht und wir ganz viel miteinander lernen können. Ich selbst promoviere in der Wirtschaftsinformatik. Außerdem bin ich Co-Founderin. Ich bin Gründerin von „Enable You“ und von der Community „Feminist AI“. Wovon möchte ich heute erzählen? Prinzipiell bringe ich in der Präsentation ganz gerne Bilder mit. Nur gehört ist das vielleicht ein bisschen schwieriger. Aber was ist das Ziel davon? Ich bringe meistens ein Bild mit, um zu zeigen, wie denn eine generative KI sich quasi in Anführungszeichen vorstellt, wie das Setting gerade aussieht. Da habe ich im Bezug auf die HerCareer als Prompt mitgebracht: Bitte erstelle ein Bild von der Veranstaltung „Unsere Zukunft der Arbeit“ mit künstlicher Intelligenz, wie Frauen davon profitieren können auf der HerCareer. Und dann ist da ein Bild entstanden, was quasi das Setting gezeigt hat. Erstellt von ChatGPT. Und das finde ich immer sehr spannend, mir anzukucken, wer ist denn da so abgebildet und wer vielleicht nicht. Also sind da auch People of Color abgebildet in dem Fall? Auf diesem Bild sind zum Beispiel sehr viele Menschen blond, haben lange offene Haare. Ich sehe, glaube ich, keine Person mit Zopf. Ich sehe meistens keine Person of Color. Die Personen sehen sehr business-gekleidet aus, sind sehr schlank, in einer stereotypischen Art und Weise schön. Und solche Dinge finde ich immer sehr spannend zu zeigen. Was ich auch immer gerne zeige, ist ein Bild von dem Prompt „Mächtige Menschen an einem Tisch“. Und als ich den vor eineinhalb Jahren ausprobiert habe bei ChatGPT bzw. DALL-E, kam ein Bild heraus mit rein weißen Männern. Mittelalt bis alt würde ich sagen. Vielleicht ab 30, ab 35 vom Alter her, bis, würde ich schätzen in die 50er, 60er hinein. Es waren nur weiße Männer. Es waren sehr privilegiert dargestellte Männer mit sehr, sehr schönen Anzügen. Alle sehr stark gestylt, Haare gestylt. Mimik und Gestik sehr ernst, sehr erhaben. Das ist sehr wichtig offensichtlich. Und keine einzige Frau an diesem Tisch. Und das schaue ich mir tatsächlich auch in meiner Forschung an. Denn ich schaue mir an, wie Macht und KI zusammenhängen. Und wie am Ende künstliche Intelligenz das Leben von marginalisierten Menschen beeinflusst. Und insbesondere auch das Leben von Frauen. Was mir da immer ganz wichtig ist, nochmal zu betonen, wenn ich von künstlicher Intelligenz, wenn ich von KI spreche, ist, was ist KI eigentlich? Und wenn ich mir KI anschaue, dann ist KI nicht nur generative KI. Also es geht nicht nur um Systeme wie ChatGPT, wie DALL-E, wie MidJourney, die Bilder oder Texte generieren können oder vielleicht Videos oder Code. Sondern es geht am Ende auch um Systeme, die wir eigentlich schon alltäglich nutzen. Suchmaschinen wie Google, Firefox, Virenscanner in E-Mail -Programmen, die vielleicht auch Spam rausfiltern. Es geht um Social-Media-Programme, wie von Meta auf Instagram, die uns Inhalte vorfiltern, gewisse Inhalte anzeigen, andere nicht. Und ganz, ganz vieles mehr. Das heißt, wir nutzen eigentlich alle KI schon täglich, schon seit Jahren. Wir wissen es oft gar nicht. Und wenn ich von KI spreche, dann meine ich also weit mehr als generative KI. Ich habe schon gesagt, dass Macht und KI zusammenhängen. Und in meiner Forschung schaue ich mir eben an, welchen Einfluss bestehende Machtsysteme auf KI haben und wie KI auch Macht reproduziert, ja, Macht, die schon da ist, verstärkt. Erstmal war das auch ein Stück weit eine Arbeitshypothese. Ist es denn so, verstärkt auch KI die Macht, die da ist, in unserer Gesellschaft, in unseren Strukturen, in unseren Unternehmen? Und ich habe immer mehr Belege gefunden, mehr Indikationen, mehr Implikationen, dass es tatsächlich zusammenhängt. Ich bringe auch immer ganz gerne Beispiele mit, weil ich glaube, besonders schön ist das anhand von Beispielen zu erkennen. Da schaue ich mir an, wie ist denn die Macht, ja, in unserer Gesellschaft, wie ist denn die Macht verteilt, wie ist sie vorhanden und wie sieht das Ganze in KI-Ergebnissen aus. Und wenn wir uns zum Beispiel anschauen, ein ganz, ganz wichtiger Einflussfaktor für KI sind natürlich Daten. Sehr viele Systeme sind heute datengetrieben. Die lernen aus Daten, wir geben quasi Daten als Input rein und am Ende kommen auch wieder Daten als Output heraus. Deswegen ist natürlich sehr wichtig, welche Daten reinkommen. Deswegen spricht man auch ein bisschen von shit-in/shit-out oder am Ende garbage-in/garbage-out. Also „garbage“ in Bezug auf Müll quasi. Also was man hinten rein gibt, kommt vorne irgendwie wieder raus. Und was wir zum Beispiel wissen, ist, dass wir sehr viel weniger Daten von Frauen als von Männern haben. Sei es in der Medizin, sei es aber auch zum Beispiel in Bezug auf Bilder. Und jetzt habe ich eine Studie gemacht in meiner Forschung: ich habe mir KI-generierte Bilder angeschaut und habe geschaut, wie sind Personen dort abgebildet, wie sind sie repräsentiert. Und ich habe mir das in drei Kontexten angeguckt. In Bezug auf „powerful people“, also mächtige Menschen, in Bezug auf „successful people“, also erfolgreiche Menschen, und in Bezug auf „beautiful people“, also schöne Menschen. Ich habe mir angeschaut, in welcher Art und Weise werden Personen hier dargestellt. Zum Beispiel in Bezug auf Gender. Hier habe ich tatsächlich nur weiblich(männlich betrachtet, weil meines Erachtens keine Personen abgebildet waren, wo ich jetzt sagen konnte, das sollte vielleicht ein anderes Gender sein. Oder am Ende sind das ja auch keine Menschen, die wirklich eine Geschlechtsidentifikation haben. Das sind tatsächlich KI-generierte Bilder. Deswegen bin ich hier leider binär geblieben. Ich habe mir die Hautfarbe der Personen angeschaut. Ich habe mir angeschaut, welchen sozioökonomischen Status haben die Personen, die dargestellten Personen, und welches Alter. Natürlich ist auch ein Bias von mir reingeflossen. Aber wenn ich mir angeguckt habe, wie eben beispielsweise das Gender vertreten ist, dann waren bei mächtigen Personen nur 12 Prozent der dargestellten Personen eindeutig weiblich dargestellt. Bei erfolgreichen Menschen waren es 20 Prozent und bei schönen Menschen waren es nahezu 60 Prozent. Bei manchen Systemen, also zum Beispiel bei DALL-E, waren in Bezug auf mächtige Menschen nur 6 Prozent der dargestellten Personen Frauen. Und in Bezug auf schöne Menschen waren bei MidJourney 92 Prozent der dargestellten Personen Frauen. Also es hat auch variiert in Bezug auf das System. Deswegen war insgesamt über alle Systeme hinweg der Anteil an Frauen nur bei 21 Prozent. Ich habe davor den „Gender Data Gap“ erwähnt. Das hängt eben damit auch zusammen, dass wir einfach viel weniger Daten, viel weniger Bilder von Frauen in diesen Kontexten haben. Und deswegen wird es auch von KI nicht dargestellt. Wir wissen auch, dass tatsächlich weltweit Frauen weniger IT nutzen, weniger das Internet nutzen. Und wir sehen das heute auch bei KI. Es gibt verschiedene Studien, verschiedene erste Studien, die das analysiert haben. Und eine sagt zum Beispiel, dass ungefähr 70 Prozent der Nutzer:innen von ChatGPT männlich sind und eben nur 30 Prozent Frauen. Es existiert auch in unserer Bevölkerung, in unserer Gesellschaft ein „Gender Wealth Gap“. Das bedeutet, Männer besitzen mehr Vermögen als Frauen. Und tatsächlich besitzen Männer im Schnitt 50 Prozent mehr Vermögen als Frauen. Wir sehen auch, dass KI aktuell das verstärkt. KI macht Reiche reicher und Arme ärmer. Und wenn wir uns ein ganz konkretes Beispiel anschauen, zum Beispiel in der Kreditvergabe, dann wissen wir, dass Frauen weltweit weniger Kredite bekommen als Männer, geringere Kredite als Männer und zu höheren Zinsen. Und auch das sehen wir, wenn KI ins Spiel kommt, was bei vielen Kreditvergaben schon der Fall ist. Zum Beispiel bei der Apple Card. Hier haben Frauen teilweise nur 5 Prozent des Kreditvolumens ihres Ehemanns bekommen, bei gleicher Qualifikation. Ich habe mir noch einen Bereich rausgesucht, wo ich noch mal kurz darauf eingehen wollte, wie Macht und KI verteilt sind. Und das ist die Wirtschaft und das Arbeitsleben. Wenn wir uns hier angucken, wie das im Bereich KI aussieht, wenn wir uns anschauen, wie zum Beispiel die Abschlüsse aussehen, haben wir im Bereich Informatik Abschlüsse in Deutschland und in USA tatsächlich 21 Prozent Frauen. Das ist schon schlecht genug, das ist wenig. Aber wenn wir uns dann angucken, wer am Ende in die Promotion geht, sind es nur 16 Prozent Frauen in Deutschland, 20 Prozent in den USA. Wenn wir in die Professuren gucken, sind es in Deutschland nur noch 13 Prozent Frauen und 17 Prozent in den USA. Und ich glaube, ganz besonders interessant, bezüglich KI-Fachkräfte haben wir nur 16 Prozent in Deutschland und 23 Prozent in den USA. Das zeigt, dass in Deutschland auch dieser interdisziplinäre Einstieg, der Quereinstieg in die Informatik bzw. in die KI kaum stattfindet. Wenn wir das jetzt anschauen in Bezug auf Unternehmen, was passiert denn da? Hier habe ich als Beispiel Amazon mitgebracht. Die haben eine KI eingesetzt bzw. haben sie die entwickelt und gebaut fürs Recruiting. Die Idee war, dass sie quasi gute Lebensläufe auswählt, aber das Ergebnis war, dass diese KI tatsächlich Frauen aussortiert hat. Dann möchte ich auch kurz auf einen Stereotyp zu sprechen kommen. Es gibt verschiedene Stereotype, auch in Bezug auf z .B. Women of Color. Zum Beispiel findet eine sehr starke Sexualisierung statt und die KI Remini, die genutzt werden kann für verschiedenste Kontexte, aber z .B. auch zur Erstellung von Bewerbungsfotos, hat Women of Color sehr stark sexualisiert dargestellt. Zum Beispiel hat sie eine Nutzerin zwar mit Blazer dargestellt, aber unter dem Blazer hat die Frau nichts getragen, was natürlich als Bewerbungsfoto in den meisten Kontexten ungeeignet ist. Wir sehen, dass KI tatsächlich gekommen ist, um zu bleiben. KI wird nicht mehr gehen. Die Frage ist am Ende also gar nicht, ob wir sie nutzen, sondern die Frage ist vielmehr, wo und wie wir sie nutzen und vor allem auf welche Weise. Und eine Frage ist auch sehr stark in der Forschung, wie können wir denn KI tatsächlich einsetzen, um das Bestehende zu verändern und damit z .B. Frauen von KI profitieren können. Ich mache das Ganze durch eine feministische Perspektive, die weit darüber hinausgeht am Ende auf das binäre, ja, Gender, es geht nicht nur um Frauen und Männer, sondern es geht am Ende um eine sehr komplexe Perspektive auf die Welt, um die Welt für alle gerechter zu machen. Das ist ein kritischer Feminismus, der sich anschaut, wie Macht verteilt ist. Das ist ein intersektionaler Feminismus, der sich anschaut, wie sich verschiedene Diskriminierungsmerkmale überlappen, z .B. Sexismus und Rassismus. Also wie erlebt am Ende eine Woman of Color vielleicht Diskriminierung durch KI. Das schaue ich mir an und es führt dazu, dass am Ende eine feministische KI für mich eine KI ist, die weit über einen technischen Ansatz hinausgeht. Das ist ein politischer, kultureller und gesellschaftlicher, aber auch aktivistischer Ansatz, der darauf abzieht, dass wir Technologien schaffen, die eine gerechtere und inklusivere Gesellschaft fördern und am Ende Macht radikal verändern. Wie können wir KI feministisch einsetzen und verändern? Wir müssen dabei auf Menschen schauen. Wir brauchen z .B. viel mehr Frauen in der Entwicklung und im Einsatz von KI. Und wir müssen auch menschliche Fehler und Vorurteile erkennen und am Ende unser eigenes Mindset verändern, weil aktuell reproduzieren wir menschliche Fehler. Wir müssen an die Daten ran. Wir müssen die Herkunft der Datensätze hinterfragen. Wer hat die erfasst? Warum hat die jemand erfasst? Was wurde da als wichtig angesehen? Und wir müssen auch Verzerrungen in Datensätzen adressieren. Und schließlich, ich glaube, das ist das Wichtigste, müssen wir uns anschauen, was ist der Zweck von einer KI? Wird sie entwickelt, um ungerechte Prozesse zu verändern oder um bestehendes zu reproduzieren? Und wenn wir Zweiteres tun, dann wird sie am Ende auch Frauen benachteiligen. Wenn wir Ersteres tun, dann haben wir die Chance, dass durch KI die Welt für Frauen gerechter wird. Was kann das nutzen? Was kann KI für Frauen nutzen? Wenn wir zum Beispiel generative KI nutzen, kann uns das im Alltag schneller machen. Es kann unsere Kreativität unterstützen. Es kann auch Ergebnisse genauer machen. Ich glaube, das ist ganz, ganz wichtig, dass wir das tun. Da werden wir auch im Gespräch nochmal darauf eingehen. Denn aktuell stellt sich immer mehr heraus, dass der Umgang mit generativer KI ein ganz, ganz wichtiger für unsere Zukunft ist. Das ist ein ganz, ganz wichtiger Skill, den wir auch als Frauen erlernen müssen. Wir sollten KI nutzen, damit sie am Ende auch für unsere Bedürfnisse besser passt. KI lernt auch von Interaktionen. Das heißt, wenn Frauen KI nicht nutzen, wird sie am Ende auch immer besser für Männer passen. Und wir müssen auch die Befähigung haben, mitzureden. Und wenn wir diese Systeme nicht nutzen, wenn wir sie nicht kennen, dann können wir das nicht tun. Am Ende können wir KI einsetzen, um zum Beispiel Hassrede zu erkennen und zu löschen. Ganz wichtig auf Social Media zum Beispiel. Wir können sie einsetzen, um inklusivere und um einfache Sprache zu nutzen und zu erstellen. Wir könnten sie einsetzen, um Recruiting gerechter zu machen. Und wir könnten sie auch nutzen, um Frauen sichtbarer zu machen. Und diese und viele andere Use Cases mehr gibt es tatsächlich auch schon. Die werden schon genutzt. Es gibt Initiativen, die die bauen, Es gibt NGOs. Es gibt kleinere Initiativen. Es gibt auch Unternehmen, die genau das versuchen. Und das ist auch mein Ziel. Ich schaue mir, wie gesagt, an, wie man am Ende durch KI die Welt gerechter machen kann. Und damit bin ich am Ende. Und ich hoffe, ich konnte euch inspirieren. Und ihr wollt das jetzt auch alle tun. Dankeschön.

[00:15:01] Berenike Beschle: Vielen Dank, Eva Gengler. Dann lassen Sie uns in die Diskussion kommen. Gleich mal zu Beginn die Frage an Sie, Frau Nischler-Leibl, in Ihrer Abteilung, also für Frauenpolitik, Gleichstellung, Prävention. Was machen Sie in Ihrem Bereich mit KI?

[00:15:16] Christiane Nischler-Leibl: Was wir im Bereich ganz konkret mit KI machen, also wir wenden sie an, tatsächlich. Aber wir haben natürlich sehr stark im Fokus, wo ist KI ein Instrument, das Frauen noch stärker nutzen sollten? Und da setzen wir da an, was Sie gerade gesagt haben. Wir möchten Frauen auch ermutigen, in die KI zu gehen. Also nicht nur mit KI zu arbeiten, sondern auch KI zu gestalten. Wir sind Mitglied in der Initiative „Klischeefrei“, die davon ausgeht, dass Talent eigentlich kein Geschlecht kennt, wir aber immer noch sehr viele Rollenklischees einfach in uns tragen. Wir veranstalten konkret „Boys‘ Days“, „Girls‘ Days“, wo wir animieren und sagen, wir gehen bewusst in MINT-Berufe. Wir trauen uns das, weil das Talent haben wir dazu. Wir haben eine Website, wo wir Vorbilder zeigen, wie stark Bayerns Frauen sind. Nicht um andere noch mehr unter Druck zu setzen, sondern zu zeigen, was alles möglich ist in verschiedensten Bereichen. Weil wir glauben, das ist ein ganz wesentlicher Schlüssel. Also da setzen wir an und dann schauen wir natürlich auch auf Fachebene, wie wir die Daten gerechter gestalten. Zumindest darauf hinweisen können. Das ist so das Package, mit dem wir ganz stark arbeiten.

[00:16:27] Berenike Beschle: Eva, du hast ja im Bachelor Wirtschaftswissenschaften gemacht und hast dann zukunftsweisend auf Wirtschaftsinformatik gesetzt. Wie und wann wurde dir denn bewusst, wie wichtig künstliche Intelligenz für Frauen werden kann?

[00:16:39] Eva Gengler: Ja tatsächlich, als ich meinen Master gewählt habe, habe ich das nicht gemacht, weil ich dachte, es wäre ein Zukunftsthema. Das habe ich eher danach gemerkt, aber ja, habe ich richtig gewählt in dem Sinne. Ich habe das tatsächlich in meiner Masterarbeit gemerkt. Ich habe eine Masterarbeit zu ethischen Implikationen von KI im Recruiting geschrieben. Und da merkt man eben sehr schnell, dass KI eben das reproduziert, was schon da ist, was für Frauen in vielerlei Hinsicht nicht gut ist. Das heißt, es hat quasi damit begonnen, dass Frauen diskriminiert werden. Also erstmal habe ich festgestellt, okay, es hat auch sehr viele Nachteile für Frauen. Und dann habe ich mir überlegt, wie kann man das verändern. Das glaube ich, habe ich so richtig in meiner Promotion begonnen. Also ich würde sagen, so 2021, dass ich mich damit beschäftigt habe, wie können wir eigentlich KI -Systeme so gestalten, dass wir als Frauen profitieren, denke ich. Ich glaube, wir haben ein großes Potenzial. Aktuell würde ich sagen, reproduzieren zwar die Systeme sehr stark das, was da ist. Aber am Ende ist das Schwierigste, glaube ich, zu verändern, das Mindset von Menschen. Ich glaube, das ist wirklich das Allerschwierigste. Oder auch Biases zu erkennen, eigene Biases zu erkennen ist schwierig. Und ich glaube, wir können KI dazu nutzen, wie mit den Bildern vorhin, um zu zeigen, schaut mal, so sieht unsere Gesellschaft aus. Das kommt raus, wenn wir nichts tun. Und am Ende dann das Potenzial nutzen. Ich glaube, das ist ein riesiges Potenzial, zu sagen, lasst uns Prozesse mit KI gerechter machen. Lasst uns jetzt, wenn wir überlegen, KI einzusetzen, das so zu tun, dass zum Beispiel Frauen und andere marginalisierte Menschen davon profitieren. Also ich würde sagen, es hat sich in meiner Doktorarbeit entwickelt.

[00:18:01] Berenike Beschle: Jetzt haben wir gehört, Männer nutzen beispielsweise ChatGPT viel mehr als Frauen. Frau Professor Weiß, an Sie die Frage, wie wappnen wir denn Frauen für den Arbeitsmarkt überhaupt, KI zu benutzen?

[00:18:13] Yasmin Weiß: KI ist der größte Gamechanger, den es gibt. Und das ist eine Riesenchance, die wir nicht verpennen sollten, alle die wir hier sitzen. Ich werde ja gleich nochmal im Vortrag darauf eingehen, dass gerade wir Frauen von der Nutzung von künstlicher Intelligenz, die weit mehr ist als nur ChatGPT, besonders profitieren. Und fürs Lernen gibt es wie immer eine geteilte Verantwortung. Wir selber als die Lernenden haben die Verantwortung, uns auf den Weg zu machen und zu überlegen, wie erwerbe ich KI-Kompetenz. Ich selber bin Professorin und natürlich trete ich an, das ist die andere Seite der Medaille der Verantwortung, dass die Bildungsinstitutionen einen großen Schritt nach vorne gehen müssen, um den jungen Leuten das Richtige beizubringen. Und das setzt sich natürlich fort in den Unternehmen. Upskilling in AI ist keine Kür, es ist eine absolute Pflichtübung. Nur: Das beste Lernangebot kann nicht fruchten, wenn wir nicht selber von innen heraus mit einer großen intrinsischen Motivation dieses Thema umarmen. Und ich hoffe, dass ich nachher ein paar Impulse geben kann, wie wir das Thema umarmen.

[00:19:20] Berenike Beschle: Sehr schön. Also man muss selbst aktiv werden, aber es muss auch was angeboten werden. Können Sie da ein konkretes Beispiel machen noch?

[00:19:27] Yasmin Weiß: Wir alle wissen, wenn du etwas lernst und du gehst nicht in die Anwendung, dann landet das im Kurzzeitgedächtnis und dann ist es schlicht und einfach weg. Das heißt, wenn ihr ein Lernangebot bekommt, also wir zum Beispiel, ich bin von der Technischen Hochschule Nürnberg, wir hatten jetzt gerade eine „Future Skills Woche“, wo wir die verschiedenen Dimensionen von KI-Kompetenz in verschiedene Lernformate gepackt haben, das ist unsere Verantwortung, und dann geht es bitte in die Anwendung. Das heißt, ich erwarte von meinen Studierenden, dass sie danach mit all dem, was sie gelernt haben, nach Hause gehen und auch Freizeit investieren, um zu schauen, wo bringt mir das, was ich gerade gelernt habe, persönlich den größten Nutzen. Und das können wir euch nicht abnehmen, diese Selbstverantwortung, in die Anwendung zu gehen.

[00:20:14] Berenike Beschle: Da muss man auch keine große Angst haben, dass man zu viel Daten preisgibt, wenn man das entsprechend vorher auch gelernt hat.

[00:20:20] Yasmin Weiß: Genau, also KI-Kompetenz ist ja nicht nur, wie bediene ich das Frontend eines lustigen KI-Tools, sondern es geht natürlich auch um Datensensibilität. Wie gehe ich damit um? Wie kann ich sowohl der Quelle als auch dem Ergebnis vertrauen? Also all das gehört zu KI-Kompetenz dazu, dafür wird man sensibilisiert und dann geht es los.

[00:20:40] Berenike Beschle: Wenn wir jetzt dann auch mal direkt in die Arbeitswelt schauen. Also du zeigst ja auch in Workshops für Firmen, wie die mit dem Einsatz von KI zu gerechteren Ergebnissen kommen. Welche Möglichkeiten kann das für Frauen eröffnen?

[00:20:52] Eva Gengler: Also wenn wir Workshops machen, dann kommen wir meistens erstmal auch mit Beispielen. Ich denke, die sind tatsächlich sehr hilfreich, um zu zeigen, was vielleicht Negatives passieren kann, wenn wir nicht darauf achten. Und dann, ich würde sagen, sehr ähnlich, also am Ende plädieren wir auch dafür, Frauen zu motivieren, Frauen zu bilden. Ich denke, aktuell haben wir das Problem, dass eben viel zu wenig Frauen aktiv KI nutzen. Ich glaube, ich habe auch eine Studie, ich glaube, Sie haben auch eine geteilt von der Initiative „Chef:innensache“, dass eben auch Frauen deutlich weniger KI im Job nutzen als Männer. Ich denke, da können wir einfach noch sehr viel mehr tun. Und wenn sich da Frauen einbringen, dann können wir die KI-Systeme auch verändern. Und wir haben natürlich ein großes Potenzial, generative KI, aber auch sonstige KI-Programme. Wir können Recruiting verändern, wir können vielleicht da mehr darauf achten, Frauen zu rekrutieren. Wir können Beförderungen verändern, ja, also wen befördern wir, wie befördern wir, auf was achten wir da. Wir können zum Beispiel auch, wenn wir Veranstaltungsmarketing machen, vielleicht jetzt auch diversere Bilder prompten oder überlegen, wie können wir denn Frauen da anders ansprechen. Ich glaube, da gibt es ganz viele Möglichkeiten, wie wir Frauen einfach anders adressieren und ja besser einbinden können. Aber ich glaube, das Wichtigste ist eben auch hier, wie können wir Prozesse, wie können wir Strukturen eigentlich im Unternehmen gerechter gestalten. Weil unsere Unternehmen sind eben in vielerlei Hinsicht auch sehr hierarchisch aufgestellt und sehr wenig gerecht. Und viele Frauen fühlen sich da auch nicht wohl oder haben Probleme, sehr viele Barrieren, da irgendwie auch Karriere zu machen. Ich denke, dass hier KI ein großes Potenzial bietet, um Entscheidungen auch gerechter zu machen. Wir schauen uns immer an den Kontext von KI-Einsatz und KI-Entwicklung. Also wo ist diese KI her? Zum Beispiel: Stammt die aus den USA? Hat die irgendwie nur mit Daten aus den USA gelernt, vielleicht passt sie da nicht zu meinem Unternehmen? Ich denke, das ist eine wichtige Frage. Dann am Ende: Wer ist inkludiert? Welche Menschen haben darauf eingewirkt? Welche Menschen setzen diese KI ein? Welche Daten stecken dahinter? Und eben, ich glaube, das Wichtigste, das Warum. Also warum nutzen wir diese KI? Was ist unser Zweck damit? Und ich glaube, wenn wir die Frage damit beantworten, zu sagen, wir wollen unsere Welt, unser Unternehmen, unsere Arbeit gerechter machen für Frauen, dann ist das glaube ich ein sehr guter Ansatz.

[00:22:52] Berenike Beschle: Also wieder so zwei Dinge. Die Struktur muss da sein, aber es ist auch eine Art Solidarakt, wenn wir als Frauen unsere Daten hergeben, um überhaupt vorzukommen. Kann man das so sagen?

[00:23:02] Eva Gengler: Ich glaube, das kann man sagen. Ich meine, Daten sind immer wichtig. Ich glaube, wir müssen auch nicht zu viele Daten teilen. Also ich glaube, das heißt, es geht nicht nur um Datenschutz. Wir müssen jetzt nicht unsere Lebensgeschichte da unbedingt reingeben, um die Systeme zu verändern. Aber man kann vielleicht ein eigenes Stück Text reingeben, um zu sagen: Schreibe in meinem Stil. Aber ich glaube, allein, dass wir das tun, dass wir als Frauen KI nutzen, ich glaube, das ist extrem wichtig.

[00:23:23] Berenike Beschle: Letzte Frage noch an Sie, Frau Nischler-Leibl, sehen Sie denn schon Auswirkungen der KI auf die Arbeitswelt?

[00:23:29] Christiane Nischler-Leibl: Ja, auf jeden Fall. Ich denke, die KI ist präsent. Ja, natürlich. Ich denke, wir könnten uns noch sehr viel bewusster machen, wo wir einfach die Chancen der KI in dieser Arbeitswelt nutzen überall, wo es standardisierte Abläufe gibt. Also Ich denke, das ist eine sehr wichtige Frage. Also gerade Frauen, die in vielen Bereichen tätig sind, wie im sozialen Bereich, aus dem ich jetzt gerade komme. 40 Prozent der Tätigkeit ist Dokumentationspflichten, da könnte uns die KI tatsächlich helfen, dass Frauen gerade die Skills, die sie haben, Kommunikation, Teamwork, das, was übrigens auch in der Führung wichtig ist, viel besser nutzen. Also da würde ich wirklich eine Lanze dafür brechen. Und ja, ich hoffe, sie kommt noch viel stärker in dem Sinn an.

[00:24:08] Berenike Beschle: Gut. Wir werden da auch nochmal tiefer einsteigen, wie Frauen auch im Privatleben und auch als arbeitende Mutter gut nutzen können. Wir kommen nämlich zum Impulsvortrag von Frau Prof. Yasmin Weiß. Sie ist Professorin für Betriebswirtschaftslehre an der Technischen Hochschule in Nürnberg. Sie ist Autorin, sie ist Publizistin, sie ist Keynote-Speakerin, mehrfache Aufsichtsrätin, Co-FOunderin eines Start-ups, man könnte ewig so weitermachen. Nur ein Beispiel: 2014 wurde sie von Bundeskanzlerin Merkel damals in den Innovationssteuerkreis der Bundesregierung berufen. Auch Sigmar Gabriel, der damalige Wirtschaftsminister hat sie in den Außenwirtschaftsbeirat gerufen. Laut Business-Magazin „Strive“ gehört sie zu den Top-10-Female-Business-Influencerinnen in Deutschland. Und bei LinkedIn zu den Top Voices in Deutschland. Yasmin Weiß forscht, wie KI die Arbeitswelt verändert, unter anderem natürlich. Sehr spannend ihr Thema heute: Persönliche Erfahrungen, wie KI den Arbeitsalltag als Working Mom revolutionieren kann. Es hört sich fast so an, als würde sie nichts anderes versuchen als die Quadratur des Kreises. Die berühmte US-Talkerin Oprah Winfrey, der wird ja dieses Zitat zugeschrieben „Man kann alles, nur nicht auf einmal“. Das hat sie, glaube ich, gesagt, als es noch keine KI gab. Und Professor Weiß noch nicht auf der Bühne war. Wir sind gespannt, was sie uns jetzt erzählen wird. Vielen Dank.

[00:25:37] Yasmin Weiß: Ja danke für die nette Anmoderation. Und ich kann nur sagen, es ist weiterhin die Quadratur des Kreises, wenn man anspruchsvolle private Rollen mit einer anspruchsvollen Karriere unter einen Hut bekommt. Aber KI kann ein echter Gamechanger sein, zu einer besseren Vereinbarkeit zu kommen. Ich möchte zunächst einmal eine persönliche Anekdote mit euch und mit Ihnen teilen. Vor ziemlich genau zwei Jahren saß ich hier in München-Schwabing mit einer meiner engsten Freunde, und ich war wahnsinnig erschöpft. Ich habe zwei noch sehr kleine Kinder, zwei wunderbare kleine Töchterchen. Ganz oft denke ich daran, welche Arbeitswelt werden die einmal vorfinden, wenn sie in 20 Jahren auf den Arbeitsmarkt kommen. Ich habe mehrere Aufsichtsratsmandate, ich habe eine Professur zu einem Thema, wo gerade wahnsinnig viel passiert, nämlich Künstliche Intelligenz. Und ich gehöre zu den wenigen Professoren, die im Sommersemester eine Vorlesung gehalten haben, nämlich: Wie revolutioniert Künstliche Intelligenz eigentlich die Arbeitswelt? Dann hast du zweieinhalb Monate vorlesungsfreie Zeit, startest im Oktober ins Wintersemester und du kannst ein Drittel deiner Vorlesung bereits erneuern. Das zeigt, unter welcher großen Dynamik wir gerade stehen und noch nie war es vermutlich spannender, eine Professur zu diesem Thema zu haben. Aber zurück zu diesem besagten Abend vor zwei Jahren, ein sehr empathischer Mensch saß mir gegenüber und sagte: Yasmin, wenn ich in den Supermarkt gehen könnte, um dir eine 25. Stunde pro Tag zu kaufen, damit du mit den unterschiedlichen Rollen besser klarkommst, mehr Zeit hast für all das, was du tust, dann würde ich jeden Tag in den Supermarkt gehen und dir diese zusätzliche Stunde kaufen. Diese zusätzliche 25. Stunde wohnt jetzt bei mir im Rechner, es war letztes Jahr eine zusätzliche 25. Stunde, ich habe inzwischen eine zusätzliche 26. Stunde pro Tag gewonnen, weil ich virtuos mit KI umgehen kann und ich werde jeden Tag leistungsfähiger, wie ich mich mit diesem neuen dynamischen Partner in der Arbeitswelt, der gekommen ist, um zu bleiben, namens künstlicher Intelligenz, so intensiv auseinandersetze. Zwei zusätzliche Stunden pro Tag ist spürbar und es macht mein Leben tatsächlich einfacher. Und ich habe mit mir selbst, ich schließe grundsätzlich mit mir selbst zu Beginn des Jahres persönliche Zielvereinbarungen, da geht es darum, wo ich meine Prioritäten in diesem Jahr setzen werde, das sind auch sehr private Prioritäten, aber es sind auch Prioritäten, die haben viel mit meiner Karriere zu tun. Und ich habe mit mir selbst die Zielvereinbarung geschlossen, dass ich die gewonnene Zeit, weil ich typische Tätigkeiten, die so auf meinem Schreibtisch landen, so viel effizienter als bislang erledigen kann, nicht nur in noch mehr Output investiere, sondern in mehr Zeit für die Menschen, die mir die Welt bedeuten, inklusive auch Me-Time, weil ich der Meinung bin, dass man nur ein angenehmer Mitmensch ist, wenn man sich hin und wieder auch ausreichend Zeit für sich selbst, seine eigene physische und mentale Gesundheit nimmt. Das heißt, KI hat das große Potenzial, und im Übrigen, das ist auch die Frage nach meinem persönlichen Warum. Warum setze ich mich so intensiv mit KI auseinander? Warum lohnt es sich für mich persönlich, jeden Tag meine KI-Kompetenz weiter auszubauen, weil ich mehr Zeit für Schönes habe? Ich habe mehr Zeit für meine Familie, ich habe mehr Zeit für mich, ich habe mehr Zeit für Sinnvolles und Angenehmes und das ist ein ganz, ganz starkes Argument. Ich komme gerade aus Berlin zurück. Dort hatte die Initiative „Chef:innensache“, die von McKinsey initiiert ist, wir haben Bundeskanzler Olaf Scholz unseren Jahresbericht überreicht, über Chancengerechtigkeit in der Arbeitswelt, und wir haben dieses Jahr den Fokus darauf gesetzt, wie erhöht künstliche Intelligenz möglicherweise Chancengerechtigkeit oder, wenn es in die falsche Richtung läuft, Chancenungleichheit. Die Status-Quo-Analyse hat ergeben, dass im Jahr 2024 41 Prozent der deutschen Frauen angegeben haben, noch nie künstliche Intelligenz im Beruf bewusst angewendet zu haben, während nur 31 Prozent der Männer diese Angabe gemacht haben. Und die große Sorge, die ich da sehe, wir haben einen Gender-Pay-Gap, dass sich zu diesem Gender-Pay-Gap, was ohnehin schon existiert, jetzt auch ein Gender-AI-Gap dazu gesellt, was dazu führt, dass es ein Gender-Future-Gap geben wird, weil künstliche Intelligenz wird darüber entscheiden, ob Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben und ob wir Menschen unsere persönliche Wettbewerbsfähigkeit langfristig erhalten können. Im Jahr 2030 wird KI Kompetenz so selbstverständlich erwartet werden, wie es heute erwartet wird, dass jemand mit einem Rechner umgehen kann. Es wird gar nicht mehr in Stellenausschreibungen drinnen stehen, weil man voraussetzt, dass die Menschen, die am Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig sein wollen, einsatzfähig sein wollen, das wirklich beherrschen. Das heißt, wir sind alle gut beraten, heute das schon zu lernen, was wir morgen ganz, ganz sicher brauchen werden. Jetzt komme ich zu der Frage, wie spare ich mir derzeit zwei Stunden pro Tag ein, also wie sieht das ganz konkret aus? Es gibt inzwischen knapp 18.000 unterschiedliche KI -Tools und jeden Tag kommen neue hinzu. Theresanaiforthat.com ist die Plattform, wo, wenn ihr Lust habt, mal draufschauen könnt, was es nicht schon für AI-Tools gibt. Ihr könnt die Aufgabe eintragen, die ihr zu erledigen habt, zum Beispiel Übersetzungen, Präsentationen erstellen, Grafiken erstellen, Videos erstellen, Texte erstellen und dann werden euch sämtliche AI-Tools ausgespuckt, die es gibt, gerankt auch nach Popularität. Es geht aber gar nicht darum, das kann auch kein Mensch, bei 18.000 existierenden KI-Tools – bis Ende des Jahres werden es vermutlich 20.000 sein – da den Überblick zu behalten, sondern es geht darum, dass ihr für euch persönlich den Überblick darüber behaltet, was hilft euch konkret. Und genauso bin ich persönlich auch vorgegangen. Ich bin nun mal Wissenschaftlerin und Professorin, das heißt, ich forsche und lehre, das macht einen Großteil meiner Tätigkeiten aus. Ich bin Aufsichtsrätin und muss natürlich mich in den Branchen, wo ich im Aufsichtsrat tätig bin, up to date halten. Ich muss viele Berichte lesen, Nachhaltigkeitsberichte, Geschäftsberichte und ich bin auch noch Start-up-Gründerin. Das heißt, ich habe mal die typischen Tätigkeiten, die so meine Arbeitswoche aufmachen, mir ganz systematisch aufgelistet und dann habe ich mir die KI-Tools angeguckt, die mir persönlich für dieses Aufgabenportfolio helfen können. Und ich nutze ganz intensiv natürlich den Microsoft Copilot in seinen verschiedenen Funktionalitäten, weil ich nun mal auf einem Rechner Microsoft 365 drauf habe. Ich nutze intensiv Perplexity, weil ich als Wissenschaftlerin ein KI-Tool haben möchte, das sehr wissenschaftlich arbeitet und mir alle relevanten Quellen aufzeichnet. Ich halte sehr viele Präsentationen, das heißt, ich nutze Gamma. Gamma ist ein KI-Tool, was automatisiert grafisch hervorragende Präsentationen erstellt und gleichzeitig im Backend mit ChatGPT verbunden ist, das heißt, auch inhaltlich Vorarbeit leisten kann. Ich musste neulich für einen Kollegen, einen Professor, einspringen, der erkrankt ist und gefragt hat, hey, kannst du am nächsten Tag meine Vorlesung zu dem Thema halten? Und normalerweise würde ich sagen, du ehrlich gesagt, a) I’m busy und, zweitens, ist nicht so ganz mein Thema. Und ich halte immer ganz gerne Vorlesungen mit einem eigenen Skript, weil nur so kann ich authentisch vortragen, aber mit dem Kollegen bin ich befreundet und ich wollte ihm den Gefallen tun, dass ich für ihn einspringe, und ich habe mich abends hingesetzt und habe gesagt, welche Bedeutung spielt das „S“ in ESG-Strategien für Unternehmen? Also ein Thema, was derzeit auch viele Unternehmen umtreibt und ich habe Gamma und Perplexity genutzt, um mich inhaltlich und von der grafischen Aufarbeitung der Präsentation bestmöglich vorzubereiten und ich hatte eine 80-Prozent-Version innerhalb von zwei Minuten. Zwei Minuten! Ich habe die Studien hochgeladen, die ich einfließen lassen möchte, also Studien, die ich für valide, relevant und aktuell halte, habe Gamma gebeten, mir daraus eine wunderschöne, professionelle Powerpoint -Präsentation zu machen und ich hatte wenige Minuten später eine 80-Prozent-Version einer Präsentation, die ich da nur noch – und das ist genau die Rolle, die wir haben in der Arbeitswelt: Es geht darum, zu plausibilisieren, das ist unsere Rolle als Mensch in dieser Mensch-Maschine-Interaktion, plausibilisieren, zu kontrollieren, welche Daten sind eingeflossen, welche Daten möchtest du drin haben, welche Daten nicht, dann zu emotionalisieren, zu individualisieren, weil ich bin das immer noch als Mensch, Yamin Weiß, der diesen Vortrag hält, und dann auch zu veredeln. Aber diese 20 Prozent, die ich noch investieren muss, führen dazu, dass ich auch einfach mal kurzfristig einspringen kann und, by the way, die Studierenden haben gesagt, sie haben noch nie so eine geile Präsentation gesehen, also wirklich, die fanden das richtig gut und dann habe ich gesagt, wisst ihr was, ich habe gestern um 20 Uhr 44 damit begonnen, als meine Kids im Bett waren, und das war vor zwei Jahren noch undenkbar so zu arbeiten. Ich spreche auch viel auf internationalen Konferenzen inzwischen, wenn ich eine aktuelle Präsentation habe, lasse ich sie mir von DeepL, ich bin sicher, ihr nutzt dieses Tool auch, übersetzen. Und schon wieder habt ihr bei DeepL, würde ich sagen, sogar 85 Prozent der Übersetzung innerhalb kürzester Zeit und könnt dann eben auch auf internationalen Konferenzen sprechen, eine riesen Zeitersparnis. Jetzt zu der Frage, wie früh fängt man eigentlich an, KI-Kompetenz zu vermitteln. Ich habe so hingesagt, ich habe zwei Töchter, ich habe total Bock darauf, dass die die freie Wahl haben, zu sagen, ich möchte Karriere machen, ich möchte für Familie nicht auf Karriere und für Karriere nicht auf Familie verzichten, und natürlich möchte ich sie zukunftsorientiert ausbilden. Dazu gehört, ihnen Sozialkompetenzen zu vermitteln. Je dynamischer die Welt da draußen ist, desto stabiler musst du von innen heraus sein, also ein Wertesystem zu entwickeln, Resilienz zu entwickeln, zu wissen, dass man auch sehr selbstbewusst Nein sagen kann. Aber ja, wir trainieren auch KI-Kompetenz am Abend, 15 Minuten nehme ich mir für beide Kinder individuell am Abend und wir machen 15 Minuten KI-Kompetenz. Der Einstieg ist grundsätzlich „funny use of AI“, die sind unheimlich motiviert, zu sagen, „voice to text“, „voice to image“, „voice to video“, die haben ihre Geburtstagseinladungen jeweils höchst individualisiert KI-basiert erstellt und waren ganz begeistert, was man denn machen kann. Sie haben null Berührungsängste mit dieser Technologie, sie wissen auch, dass KI-Kompetenz auch bedeutet, Datensparsamkeit, Datensensibilität, plausibilisieren, veredeln, individualisieren, und dann Kennzeichnungspflicht, dass sie KI verwendet haben. Die werden von klein auf drauf verwendet, und ich glaube nicht, dass sie irgendwann mal eine Hemmschwelle haben und sagen, ui, ich bin ein Mädchen, das ist nichts für mich. Also so früh wie möglich beginnen und wir werden alle nie mehr wieder so jung sein wie heute, das heißt spätestens heute damit beginnen und ich kann euch sagen, wenn Vier- und Achtjährige virtuos diese KI-Tools bedienen können, dann könnt ihr das auch. Abschließend möchte ich sagen, wir haben eine Riesen-, Riesenchance derzeit am Arbeitsmarkt, weil die größte Veränderung, die wir je gesehen haben am Arbeitsmarkt jetzt bevorsteht und KI ist wirklich ein Gamechanger. 16 Prozent Gehaltsaufschlag werden derzeit für gleiche Qualifikationsprofile bezahlt, wo der einzige Unterschied ist, ein Bewerber besitzt KI-Kompetenz und die andere Bewerberin nicht oder die Bewerberin, die KI Kompetenz besitzt, bekommt 16 Prozent mehr Gehalt derzeit. Es gibt keine singuläre Fähigkeit, die besser bezahlt ist. Ich kann nur sagen, bye bye Gender Gap, ein ganz, ganz wirkungsvoller Stellhebel. Also: Be so good that others can’t ignore you. Und KI-Skills in Kombination mit Sozialkompetenzen, ethischem und moralischem Empfinden und dann gepaart mit tiefer Funktionalkompetenz. Also wie nutze ich AI in HR, wie nutze ich AI im Marketing und Vertrieb, wie nutze ich AI im Risk Management. Wenn ihr das kombiniert, dann mache ich mir um euch keine Sorgen. Herzlichen Dank.

[00:38:56] Berenike Beschle: Vielen Dank. Super interessant. Vielen Dank. Ich habe viele mitschreiben sehen und vor allem bei der zusätzlichen 25. und 26. Stunde haben, glaube ich, sehr viele aufgehorcht. Jetzt ist bei mir spontan die Frage aufgeploppt: Es heißt ja immer, KI – Chancen und Risiken. Stellen wir die Frage falsch? Also nicht die Risiken, die eine KI mit sich bringt, mit den Daten, die wir womöglich Preis geben, sondern ist es ein Risiko, KI nicht zu benutzen, weil wir dann abhängen?

[00:39:30] Yasmin Weiß: Wie es immer so ist, es hängt vom Anwender an, wie man KI einsetzt, ob das für etwas Gutes eingesetzt wird oder für etwas weniger Gutes. Aber KI-Kompetenz nicht zu erwerben, nicht bewusst sich die Frage zu stellen, wie kann ich meine individuelle Problemlösungskompetenz, meine individuelle Kreativität, meine individuelle Produktivität – also das ist Skill Enhancement – also dieses Potenzial nicht zu nutzen, ist hochriskant. Und, wie gesagt, im Jahr 2030 wird in keiner Stellenausschreibung mehr drinnen stehen, wir erwarten KI-Kompetenz, das ist so implizit erwartet, wie jetzt erwartet wird, dass jemand den Rechner aufklappen kann und weiß, wie man loslegt.

[00:40:13] Berenike Beschle: Jetzt haben wir viele KI-kompetente Frauen da, ich weiß nicht, in welchen Bereichen sie alle arbeiten. Frau Nischler-Leibl, wenn wir uns jetzt mal so diese typischen Frauenberufe anschauen, was denken Sie, wie wirkt sich da KI aus?

[00:40:24] Christiane Nischler-Leibl: Erstmal denke ich genau so, wenn das richtig angewandt wird, wirkt es sich auch dort positiv aus, weil sie natürlich standardisierte Abläufe unterstützen kann und sie kann Zeit schenken, also den Liebesbrief, den ich am Anfang erwähnt habe, das war auch privat. Mein Sohn will in die High School gehen, das wird mir mehr als zwei Stunden am Tag an Zeit schenken, also unterstütze ich das auch durch KI und habe der KI gesagt, schreib ein Bewerbungsschreiben für seine Gastfamilie, und das war überschwänglich, das war der Liebesbrief. Ich dachte, es ist so schön. Aber nein, also gerade in Frauenberufen, die oft standardisierte Aufgaben auch mit sich bringen, bringt es Unterstützung, und Sie haben es gerade gesagt, es muss ja klug sein, wo sind Menschen und auch Frauen sehr stark, in diesen Standards, die Sie genannt haben, sie sind empathisch, sie können multitaskingfähige Dinge zusammenbringen, und ich denke, diese menschlichen Kompetenzen, wenn wir mehr Zeit dafür haben und die Potenziale durch die Frauen übernommen werden, weil die uns den Standard abnimmt, dann ist es gut für uns. Wir müssen halt klug auch schauen, was möchte ich, dass die KI tut, und was möchte ich selber tun und das wird uns gerade auch in hochqualifizierten Berufen viel Potenzial schenken, das zeigt ja auch die Statistik. Die Ersetzbarkeit dessen, was wir tun, nimmt ja zu in sehr hochqualifizierten Berufen. Also ich denke, überall, wo mit viel Texten gearbeitet wird, kann die KI sehr viel. Ich möchte jetzt nicht ketzerisch sein, Jura, die kann uns da unglaublich viel abnehmen.

[00:41:57] Berenike Beschle: Letztes Jahr steckte sie noch in den Kinderschuhen, heute schenkt sie uns schon zwei Stunden, wenn man es richtig anwendet, für Tätigkeiten, wo sie wahrscheinlich früher nächtelang drüber gesessen sind. Wie wird es in Zukunft sein? Wird sie uns den ganzen Tag schenken? Wird KI vielleicht die menschliche Arbeitskraft ersetzen, wenn wir mal so in die Zukunft gucken, Frau Professor Weiß?

[00:42:16] Yasmin Weiß: Also kurzfristig, weil das ja auch immer wieder durch die Medien geistert, wird KI uns die Arbeitsplätze nicht wegnehmen. Also kurz- und mittelfristig wird das definitiv nicht der Fall sein, weil das größere Problem immer noch Fach- und Arbeitskräftemangel ist und nicht der Arbeitsmangel, zu wenig Jobs. Langfristig allerdings wissen wir nicht, wie das ausgehen wird. Die Technologie wird immer performanter, das heißt leistungsfähiger. Sie lernt immer schneller hinzu. Und es gibt einen ganz probaten Weg, seine langfristige Beschäftigungsfähigkeit zu sichern. Das eine ist Lernen und anpassungsfähig zu sein, das heißt, mit der Zeit zu gehen. Und das andere ist, und ich komme gerade von einer Konferenz aus den USA zurück, wo sehr, sehr viele KI-Forscher sich einig waren, es gibt einen einzigen Bereich, wo wir Menschen auch langfristig leistungsfähiger sein werden als künstliche Intelligenz, und das ist schlicht und einfach Liebe. Und jetzt können wir übersetzen, was bedeutet Liebe in der Arbeitswelt? Das ist Warmherzigkeit, das ist Aufmerksamkeit, das ist Empathie, das ist Zugewandtheit, das ist Wertschätzung. Das heißt, in diesen warmen Tätigkeiten, und ich glaube, wir Frauen haben dort wirklich eine Stärke, wenn wir das kombinieren mit, wir gehen mit der Zeit, wir sind offen neugierig und wissbegierig, und paaren dies mit Technologiekompetenz, dann stellen wir uns auch für die Zukunft wirklich gut auf und haben die Chance, vielleicht in Zukunft sogar weniger zu arbeiten und sehr viel an eine leistungsfähige Technologie zu delegieren. Setzt aber voraus, dass wir heute unsere Hausaufgaben machen.

[00:44:00] Berenike Beschle: Also nehmen wir mal an, wir haben jetzt diese beiden Skills wunderbar miteinander kombiniert, dann steht auch der Viertagewoche nichts mehr im Weg, oder was denken Sie?

[00:44:10] Yasmin Weiß: Oh, ich bin ja tief im Herzen Ökonomin, also ich habe zwar eine Technologieausbildung, ich bin Ökonomin und wir müssen als Hochlohnland in Deutschland wettbewerbsfähig bleiben, sonst gehen hier überall die Lichter aus und wir können ganz viel über Purpose philosophieren und es bringt nichts, wenn wir keine Jobs mehr haben. Das heißt, unter der Prämisse, dass wir international wettbewerbsfähig bleiben und die anderen Länder schlafen ja auch nicht, was Technologiekompetenz betrifft, unter der Prämisse, dass wir sagen, wir sind so viel leistungsfähiger, gerne durch die Unterstützung von KI, dann erst können wir darüber nachdenken, ob eine Viertagewoche nicht flächendeckend Sinn macht, da sind wir noch bei weitem nicht und wir sind ein Hochlohnland, wir haben nicht die internationale Kostenführerschaft inne, und solange wir nicht um das besser sind, was wir auch teurer sind als andere Länder, brauchen wir aus meiner Sicht nicht flächendeckend von einer Viertagewoche träumen. Sorry to say, aber ich bin halt eben Ökonomin.

[00:45:08] Berenike Beschle: Also das dauert noch ein bisschen, okay. Wenn ich nochmal auf dein Thema komme, Eva, also klar, wir müssen unsere Hausaufgaben machen, aber es müssen eben auch die Strukturen da sein, Unternehmen müssen auch die Voraussetzungen für Frauen schaffen. Du willst Machtstrukturen auch aktiv verändern mit Hilfe von KI. Was ist denn dein Ausblick für die Zukunft?

[00:45:30] Eva Gengler: Also ich glaube, ich würde mich auch ein Stück weit anschließen, dass wir es nicht ganz genau sagen können. Ich glaube, das ist auch tatsächlich… ich glaube, dass KI sehr viel verändert hat und verändern wird, und ich glaube, von einem Gerechtigkeitsaspekt ist es gerade ein großes Risiko. Thema auch, Sie haben es gesagt, Gender Gap in Bezug auf KI, aber eben auch, dass es bestehende Machtstrukturen, bestehende Ungleichheiten verstärken kann. Ich glaube aber wirklich auch, dass das Gegenteil der Fall sein kann, dass wir KI für uns nutzen können und dass wir mit KI Strukturen verändern können, und ich hoffe auf jeden Fall, dass wir in diese Richtung mit KI gehen und dass wir heute vielleicht auch noch ganz viele Mitstreiter:innen gewonnen haben, die das mit in Firmen tragen, mit in die Politik tragen, mit in ihre Verwandten- und Freundeskreise tragen und einfach sagen, hey, probiert das aus. Seid aber auch wachsam, hinterfragt die Ergebnisse, so gut ihr es könnt, und versucht es einzusetzen, um was zu verändern, weil ich glaube, dann haben wir ein riesiges Potenzial an der Hand und das sollten wir unbedingt nutzen.

[00:46:25] Berenike Beschle: Die letzte Frage möchte ich gerne an Sie geben, Frau Professor Weiß. Wenn wir unsere Hausaufgaben machen, sagen Sie, wie zuversichtlich sind Sie, dass dieser Gap, dieser AI Gap geschlossen werden kann?

[00:46:36] Yasmin Weiß: Ich bin total zuversichtlich. Es gibt ja nicht Menschen, die sagen, ich habe 15 Jahre Erfahrung in Gen AI und du, junge Frau, du nicht. Wir sind alles Anfänger, alles Anfänger mit wenig Erfahrung. Wir Frauen haben so viel an komplementären Kompetenzen in die Marktschale zu werfen, wirklich allen voran das, was uns auch langfristig von immer leistungsfähiger werdender Technologie unterscheidet, nämlich diese Wärme, diese Empathie, dieses Soziale, dieses Sich-Kümmern. Das ist so eine komplementär wertvolle Kompetenz, dass ich, wenn wir unsere Hausaufgaben machen, keine Berührungsängste haben, eine große Chance haben, dass die Ungerechtigkeit, die Chancenungleichkeit abnimmt. Und: Wir haben die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die in der Arbeitswelt der Gegenwart häufig auch nochmal so ein Showstopper ist, dass Frauen ihr volles Potenzial entfalten können. Also: Be so good that others can’t ignore you – und das wird schon mit der Chancengerechtigkeit.