Seit dem Amtsantritt von Donald Trump wird in den USA die Freiheit der Wissenschaft massiv eingeschränkt und die Forschung durch erhebliche Kürzungen behindert. 

ZEIT online: „Der Etat der National Institutes of Health – mit 47 Milliarden Dollar das weltweit größte öffentliche Budget für biomedizinische Forschung – wurde vorerst eingefroren. Ebenso die Gelder des Gesundheitsministeriums und einiger Institute für Klimaforschung und erneuerbare Energien. Die Folge: Forschungsanträge können nicht bewilligt werden. Zudem dürfen die Forscher sich nicht öffentlich äußern, Forschungsergebnisse nicht kommunizieren. Würde ein Institut in diesen Tagen einen gefährlichen Erreger entdecken, könnte es die Bevölkerung darüber nicht informieren.“

Der National Science Foundation (NSF) wurde von der Trump-Administration eine lange Liste mit Schlagworten ausgehändigt, nach denen sie Studien und Forschungsaufträge durchforsten soll – mit dem Ziel, diesen die Förderung zu streichen. Und die aufgelisteten Begriffe dürfen künftig in offiziellen Dokumenten und Websites nicht mehr auftauchen.

„I guess a word that’s not on here is ‚men‘, and I guess a word that I don’t see on here is ‚white‘, so I guess we’ll see what’s going on with white men and what they need“, kommentierte eine Wissenschaftlerin.

Eine andere meinte: „Man kann keine Studien mit Menschen konzipieren, ohne zumindest einen dieser verbannten Begriffe zu benutzen. Biomedizinische, neuro- und sozialwissenschaftliche Forschung liegt in den USA damit auf Eis.“ Eine weitere Wissenschaftlerin formulierte es so: Das Verbot von Wörtern beraube die Forschenden der Möglichkeit, die Welt genau zu beschreiben.

„Die immer neuen Restriktionen, alle abrupt verordnet, verunsichern die Wissenschafts-Community massiv“, meint auch die Süddeutsche Zeitung. Die Auswirkungen reichten weit über die USA hinaus. „Ganze Bereiche, darunter auch die Klimawissenschaften, sind pauschal in Ungnade gefallen.“

Das betrifft besonders die Bereiche, in denen es um geschlechtsspezifische Unterschiede geht – vor allem in der Medizin. Dass Männerkörper anders funktionieren als Frauenkörper, ist zwar schon lange bekannt, die Forschung dazu steckt aber eher noch in den Kinderschuhen. Wird sie gestoppt, ist die Gesundheit von Frauen in der ganzen Welt zusätzlich in Gefahr.

Und da gibt es auch eine Verbindung zur Klimaforschung: Wie die taz berichtete, ist bei der Anpassung an den Klimawandel das gesundheitliche Risiko für Frauen besonders hoch. Bei Hitzewellen sterben mehr Frauen als Männer. Ihre Körper können sich schlechter an Hitze anpassen als die von Männern. Aufgrund struktureller Rahmenbedingungen (u.a. Care-Arbeit in Beruf und Familie) können sie sich oft weniger auf klimatische Veränderungen einstellen.

„Warum ist Gendermedizin so wichtig für Frauen?“ Darüber sprechen im herCAREER Podcast Dr. Judith Bildau und Vera Schneevoigt. „Was alle über geschlechtersensible Medizin wissen sollten“ gibt es als Video in unserer Academy. „Gendermedizin – warum Frauenherzen anders schlagen“ ist Thema eines weiteren Podcasts. Dazu sprach Manuela Kasper-Claridge mit Prof. Dr. med. Sandra Eifert.

Deutsche Forschungseinrichtungen planen übrigens inzwischen, Wissenschaftler:innen aus den USA Zuflucht zu bieten und gezielt um Spitzenpersonal von dort zu werben.

herVIEW - Natascha Hoffner

Ein Beitrag von Natascha Hoffner, Founder & CEO of herCAREER I Preisträgerin des FTAfelicitas-Preis des Femtec. Alumnae e.V.I LinkedIn-TOP-Voice 2020 I Herausgeberin der Bücher „Frauen des Jahres“ im Callwey Verlag
veröffentlicht bei LinkedIn 19.03.2025